Donnerstag, 19. Oktober 2017


Geschichte und Aktivitäten
des „Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus“


Das Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus ist ein bürgerliches Bündnis und besteht aus ca. 10 rein ehrenamtlichen, aktiven Mitgliedern und ca. 400 – 500 solidarisch erklärten „passiven“ Mitgliedern. Wir sind kein Verein weil wir uns unsere freie und unbürokratische Herangehensweise erhalten möchten. Das Netzwerk wurde nach der Besetzung des Hotel Gerhus durch Neonazis um den Anwalt J. Rieger, von verschiedenen Einzelpersonen und Bündnispartnern gegründet.



Nach der erfolgreichen Verhinderung eines Nazi-Ausbildungszentrums bei Fassberg liegt unsere Zielsetzung heute bei der Verhinderung der vielen, jährlich sich wiederholenden Nazitreffen auf dem Hof Nahtz bei Eschede. Dort trifft sich seit über 20 Jahren die niedersächsische und norddeutsche Neo-Nazi Elite, um Aktionen zu planen und Verbindungen zu festigen sowie „rechte Erlebniswelten“ wie z.B. Rechtsrockkonzerte für Jugendliche zu schaffen und sie so in ihren Einfluß zu bringen und für sich zu gewinnen. Die nach Außen harmlos wirkenden Veranstaltungen laufen unter dem Deckmantel „Brauchtumsveranstaltungen“. Sonnen- und Winterwenden Feiern sowie die sog. „Erntefeste“ dienen in Wahrheit dazu traditionelle NS Ideologie zu leben und zu verbreiten.

Mit unseren Demonstrationen wollen  wir die Öffentlichkeit auf jedes dieser Treffen, aber auch möglichst alle anderen Nazi-Aktivitäten im Landkreis, aufmerksam machen und zwingen die Bürger der Gemeinde und des Landkreises, sich mit dem Thema Rechtsextremismus, auseinander zu setzen und Stellung zu beziehen. Wir klären  auf und fordern ein Ende dieser Treffen. Unsere Demonstrationen gestalten sich von Jahr zu Jahr aufwändiger und fantasievoller um mehr Bürger zum Mitmachen zu bewegen.

Weitere Aktivitäten des Netzwerks…

Wir fordern einen Gedenkstein für  den von Escheder  Neo-Nazis ermordeten Peter Deutschmann im Zentrum von Eschede. Das Netzwerk hat das Modell eines Gedenksteins gebaut und mahnt jährlich an die grausame Tat.

Peter Deutschmann wurde vor 13 Jahren  von zwei  Escheder Neonazis brutal zusammengeschlagen und sterbend  allein in seinem Haus zurück gelassen. Diese Tat ist bis heute in Eschede nicht aufgearbeitet worden. Die Täter gehörten beide zur rechten Szene in und um Celle. Das Landgericht Lüneburg verurteilte sie wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu je fünf Jahren Jugendstrafe. Einen politischen Hintergrund wollte das Gericht nicht erkennen.



Johannes K. löste sich schon während der Haftzeit aus der rechten Szene. Heute tritt er häufig auf Veranstaltungen auf, um vor den Gefahren des Rechtsextremismus zu warnen. Das Leben von Marco S. verlief dagegen ganz anders. Er vertiefte während der Haftzeit in Hameln seine Kontakte in die niedersächsische Neonazi-Szene und organisiert und besucht heute Konzerte und Treffen auf dem Hof Nahtz.

Wir wollen aber nicht nur Peter Deutschmann gedenken, sondern allen 182 Opfern rechtsextremer Gewalt seit 1990.

Eine von uns gestaltete Installation dient als didaktisches  Ausstellungsobjekt,  z.B. für Schulen, Gemeinden und anderen Räumen. Eine ca. 300 cm breite x 300 cm tiefe und 200 cm hohe, quadratische Rauminstallation zeigt alle durch rechtsextreme Gewalt umgekommenen Menschen seit 1990.



Die dicht an dicht gehängten Bögen bilden in ihrer Mitte einen geschlossenen Raum der Ruhe. Wir möchten nicht nur ein Gefühl der überwältigenden Zahl ermordeter Menschen geben, sondern auch auf ihre einzelnen Persönlichkeiten hinweisen und den Opfern auf diese Weise gedenken.

Wir haben 2011 einen Logo Wettbewerb durchgeführt, an dem mehr als 100 Bewerber aus dem Landkreis Celle teilgenommen haben. Das Echo in den Medien war enorm. Ziel war nicht nur ein eigenes Logo zu bekommen, sondern die Bürger am Entstehungsprozess teilhaben und aktiv an unserer Arbeit mitwirken zu lassen.



Das neue Logo gibt uns eine optische Identität und seit Mai 2012 stellt uns die neue Webseite eine Plattform für  Kommunikation und Dokumentation. Bürger können sich bei uns melden und auch uns über Nazi-Aktivitäten informieren, worauf wir dann öffentlich reagieren. Die Webseite wird ständig aktualisiert und informiert über anstehende und vergangene Aktivitäten. www.netzwerk-südheide.de
 
Unser Netzwerk arbeitet seit den Mahnwachen vor dem Hotel Gerhus an einer ständig wachsenden Foto Dokumentation, die auch verliehen wird.

Des Öfteren haben wir Experten für Rechtsextremismus zu Vorträgen eingeladen und werden auch in Zukunft  aufklärende  Veranstaltungen über Rechtsextremismus unterstützen und organisieren. Aufklärungsarbeit  sensibilisiert und lässt Nazi-Codes und Nazi-Aktivitäten besser erkennen und hilft so beim schnelleren Erkennen rechter Aktivitäten.

Da unser „Projekt“ zeitlich und örtlich nicht begrenzt ist, können wir uns als Netzwerk nur um allgemeine finanzielle Förderung bewerben, nicht aber mit einer spezifischen „Sache“. Unzählige Leistungen wurden aus privater Tasche einzelner Mitglieder finanziert, vieles auch gesponsort von privaten Einzelpersonen, Gewerkschaften, Kirchen, Parteien und Gemeinden.  Wir würden uns über eine finanzielle Hilfe sehr freuen und haben die auch mehr als dringend nötig.


Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus, Celle


Eng verbunden mit dem "Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus" ist das "Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus" in Celle. Deshalb stellt sich auch das "Forum ..." hier vor:


Das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus existiert seit dem Jahr 2000. Anlass der Gründung waren u. a. die zunehmenden Aktivitäten der in Celle bis heute bestehenden Nazi-Kameradschaft, einer der aktivsten Neonazi-Kameradschaften Niedersachsens. Das Forum setzt sich zusammen aus interessierten Vertreter_innen diverser Organisationen (DGB, SPD, Die Grünen, Die Linke, Buntes Haus, Arbeitskreis Ausländer, VVN-BdA, usw.) sowie aus Einzelpersonen.

Das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus existiert seit dem Jahr 2000. Anlass der Gründung waren u. a. die zunehmenden Aktivitäten der in Celle bis heute bestehenden Nazi-Kameradschaft, einer der aktivsten Neonazi-Kameradschaften Niedersachsens. Das Forum setzt sich zusammen aus interessierten Vertreter_innen diverser Organisationen (DGB, SPD, Die Grünen, Die Linke, Buntes Haus, Arbeitskreis Ausländer, VVN-BdA, usw.) sowie aus Einzelpersonen.

Seit seiner Gründung organisiert das Forum Vorträge und Informationsveranstaltungen, in denen den Fragen nachgegangen wird, was Neonazis machen, wie sie sich vernetzen, wie sie auftreten, was für Inhalte sie verbreiten und was das Ganze für uns hier im Landkreis Celle bedeutet. Aber nicht nur nüchterne Sachvorträge sind unser Anliegen. Wir haben auch eine Ausstellung konzipiert, führen Kulturveranstaltungen durch und vieles mehr.

Neben dieser wichtigen inhaltlichen Auseinandersetzung ist uns auch unsere Präsenz auf der Straße von großer Bedeutung. Bei Naziaufmärschen gehen wir auf die Straße und beteiligen uns an Gegendemonstrationen; wir stehen zu Wahlkampfzeiten auch schon einmal vor den Schulen, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Celler Neonazis für die NPD kandidieren und weisen auf die Gefahr hin, die von ihnen ausgeht.

Seit einigen Jahren hat sich Eschede zu einem unserer Hauptbetätigungsfelder entwickelt. Neben massenhafter Aufklärungsarbeit im Ort sind wir auch immer an den Demonstrationen gegen das Treiben auf dem Nazihof des Bauern Nahtz in Eschede beteiligt – dabei ist es für uns unerheblich, ob wir selber eine Demonstration angemeldet haben oder Andere.

Im Jahr 2009 haben sich Aktive gegen Rechts aus dem Landkreis Celle vernetzt. An diesem Netzwerk sind Vertreter_innen aus Eschede, Fassberg, Hermannsburg, Unterlüß, Müden und das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus beteiligt.

In Zusammenarbeit mit Gruppen aus diesem Netzwerk haben wir Veranstaltungen im Landkreis mitgeplant und durchgeführt. Außerdem sind wir zur Unterstützung der Aktiven vor Ort, wenn im Landkreis Aktionen gegen die extreme Rechte durchgeführt werden.


Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus, Hermannsburg

 

Eng verbunden mit dem "Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus" ist der "Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus" in Hermannsburg. Deshalb stellt sich auch der "Arbeitskreis ... Hermannsburg" hier vor:


Der Arbeitskreis (AK) gegen Rechtsextremismus Hermannsburg ist hervorgegangen aus dem „Hermannsburger AK gegen Hetendorf 13“. Dieser hat sich in den 1980-er Jahren gebildet, als einige Hermannsburger durch junge Leute der Celler Antifa auf das Treiben der Neonazis in Hetendorf und Umgebung aufmerksam gemacht worden waren. Zunächst nahmen wir teil an Demos gegen „Hetendorf 13“, dem Haus, in dem sog. Sonnwendfeiern und Schulungen der „Wiking-Jugend“ und des Vereins „Freundeskreis Filmkunst e.V.“ unter Leitung des mehrfach rechtskräftig (u.a. wegen Volksverhetzung und Körperverletzung) verurteilten Rechtsanwaltes Rieger stattfanden. Schon bald trafen sich regelmäßig Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in Hermannsburg, um gemeinsam gegen dieses Zentrum vorzugehen.

Auch als 1994 die Wikingjugend verboten und 1998 Hetendorf 13 geschlossen wurde, blieb der Arbeitskreis weiter aktiv, unterstützte die Verdener in ihren Aktionen gegen den Heisenhof im niedersächsischen Döverden und andere Aktivitäten der Neonazis. Seit 2007 beobachteten besorgte Hermannsburger Bürger in ihrem Ort zunehmende Aktivitäten der rechten Szene mit Neonazi-Partys im so genannten „Bunker 88“ in Neubarmbostel, dem Anbringen von Aufklebern und kleineren Rangeleien mit Punkern.

Seit Beginn des Jahres 2008 verging kaum ein Wochenende, an dem in Hermannsburg und Umgebung keine Zwischenfälle zu verzeichnen waren. Daraufhin beschloss der AK, dem Treiben der Neonazis nicht länger tatenlos zuzusehen und ein deutliches Zeichen für Toleranz und ein friedliches Miteinander zu setzen. Im März 2008 informierte er mit einer Mahnwache im Ortszentrum, mit Spruchbändern und Flugblättern über die Besorgnis erregenden Umtriebe vor Ort und rief zu Widerstand auf.

Als Rieger in Gerhus eine neue Tagungsstätte einrichten wollte, waren viele von uns Hermannsburgern bei den Protesten vor Ort. In den vergangenen Jahren zeigten Beschimpfungen, Drohungen, Gewalt gegen Jugendliche, Zerstörung der Frontscheibe eines Autos eines aktiven AK-Mitglieds, Schmierereien an Schaukästen und Fensterscheiben und andere Vorfälle, dass immer noch gewaltbereite Rechtsextremisten in Hermannsburg wohnen. Auch rassistische und antisemitische Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft fordern weiter unsere Wachsamkeit.

Der AK gegen Rechtsextremismus Hermannsburg trifft sich nach Bedarf und unterstützt das "Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus". Er hat das Netzwerk „Orte der Vielfalt“ der Gemeinde Hermannsburg initiiert und arbeitet dort mit.

buntstattbraun@gmx.de