Donnerstag, 19. Oktober 2017

Eschede macht gegen Nazis mobil

NDR Fernsehen - Hallo Niedersachsen - 23. Juni 2012

Rückblick auf die Demo in Eschede
von Wilfried Manneke

Immer wieder finden auf dem Hof des NPD-Aktivisten Joachim Nahtz (Eschede) Neonazi-Treffen statt. Besonders die „Sonnwendfeiern“ und das „Erntefest“ haben schon eine lange Tradition. Die Neonazis bezeichnen diese Feste als „Brauchtumsfeiern“. Ihr eigentliches Ziel ist es aber, auf diesen Zusammenkünften der norddeutschen Neonazi-Szene Kontakte zu pflegen, Termine abzusprechen und neue Aktionen vorzubereiten. Somit sind diese „Sonnenwendfeiern“ alles anderes als harmlos. Deshalb protestieren wir auch vehement gegen diese Treffen. Wegzuschauen wäre das völlig falsche Signal. Dort, wo Neonazis ungestört handeln können, machen sie sich breit. Ihr Szene verfestigt sich und sie nutzen die Gelegenheit, besonders junge Leute in ihre Kreise zu ziehen.

Die Demo gegen die "Neonazi-Sonnenwendfeier" begann um 14.00 Uhr am Bahnhof in Eschede. Genau 304 Mitstreiter hatten sich dort versammelt. Der Protestmarsch führte über die L 281 zur Kreuzung "Am Dornbusch / Zum Finkenberg“. Dort beginnt der 1,5 km lange Sandweg, der zum Hof Nahtz führt. Nach Polizeiangaben hatten sich auf dem Hof bereits 170 Neonazis versammelt.

Auf unserer Demo vor der Einfahrt zum Hof Nahtz wurde zunächst der Opfer rechtsextremer Gewalt gedacht. Seit der Wende sind 182 Menschen durch "rechtsextreme Gewalt" ums Leben gekommen. Alle 182 Namen wurden verlesen und für jedes Opfer ein Luftballon in die Höhe geschickt. Auf den Karten, die an den Luftballons befestigt waren, standen die Worte: "Rechtsextremismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen."

Das "Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus" stellte auf der Demo auch die Siegerin des Logo-Wettbewerbs vor. Das Netzwerk hatte zu Beginn diesen Jahres einen Logo-Wettbewerb durchgeführt. Es gab 110 Einsendungen. Eine unabhängige Jury hatte die nicht leichte Aufgabe, sich für eines der vielen, sehr gelungenen "Kunstwerke" zu entschieden. Das Sieger-Logo ist hier im Anhang zu sehen.

Es wurde auf der Demo auch auf die neue Internetpräsenz hingewiesen: netzwerk-südheide.de Es gab außerdem Ausstellungen und Informationswände. Zwei Samba-Gruppen sorgten für rhythmische Musik.

Ein Ökumenischer Gottesdienst auf der L 281 bildete um 18.00 Uhr den Abschluss. Ungefähr 250 Personen nahmen daran teil. In zwei großen Gruppen zogen sie in Prozessionen aufeinander zu. Jede Gruppe legte dabei ca. einen Kilometer zurück und machte an fünf "Gottesdienst-Stationen" für je einige Minuten Halt. Am zentralen Ort des Gottesdienstes, vor der Einfahrt zum Hof Nahtz, wurden die beiden mitgeführte Balken zu einem Kreuz zusammengefügt. Der Gottesdienst stand unter dem Thema: Unser Kreuz hat keine Haken. Landessuperintendent Dieter Rating (Regionalbischof des Sprengels Lüneburg) hielt die Ansprache. Der ökumenische Gottesdienst wurde mitgestaltet von zwei römisch-katholischen und sieben evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden aus Eschede und Umgebung; auch das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (Hermannsburg) war beteiligt. Bischof William Raymond Bowles aus Kimberley in Südafrika entließ die ökumenische Gottesdienstgemeinde mit dem Schluss-Segen.

Herzlichen Dank an die NDR-Radiokirche. Sie unterstütze mit folgenden Hörfunksendungen unseren Aufruf zur Demo in Eschede:

Freitag, 22. Juni 2012 
„Die Radiokirche bei N-JOY, ca. 10:35

„Moment mal“, NDR 2, 18:15
(Hinweis auf Gegen-Demo 23. 6. mit Gottesdienst)

Samstag, 23. Juni 2012

„Im Anfang war das Wort" – die Bibel
 NDR Info, 07:40, Wdhlg. 09:40

Mo., 25. Juni 2012
„Die Radiokirche bei N-JOY“, ca. 18:20
(Aufklärungsarbeit)

Nachzuhören unter:
→ n-joy.de/podcast/podcast4175.html
→ ndr.de/ndr2/programm/podcasts/podcast4074.htm
→ ndr.de/info/podcast3004.htm

NDR Fernsehen berichtete am 23. Juni 2012 in seiner Sendung "Hallo Niedersachsen" über die Demo in Eschede unter dem Titel: Eschede macht gegen Nazis mobil. → ndr.de/mediathek/index.html

ML Mona lisa - Aufrecht gegen Rechts

ZDF - Fernsehbericht über Engagement gegen Rechtsextremismus in der Südheide

Auf der Demo in Eschede am 23. Juni 2012 war auch ein ZDF-Fernsehteam dabei. In der Woche danach besuchte das Team einige von uns zu Hause, aber auch die Polizei in Celle und andere Mitstreiter in unserer Region. Der Filmbeitrag von ca. 5 Minuten Länge wurde am Samstag, dem 7. Juli 2012, um 18.00 Uhr in der ZDF-Sendung "mona lisa" ausgestrahlt. Autorin: ZDF-Redakteurin Martina Morawietz.

 

"Bunt statt braun" - Eschede wehrt sich

NDR - Juni 2012

Am Sonnabend war Sonnenwende, bald werden die Tage wieder kürzer. Seit 25 Jahren heißt das für Eschede im Landkreis Celle, dass auf dem Hof Nahtz wieder ein Treffen von Neonazis stattfindet. Joachim Nahtz, NPD-Mitglied, lädt zur Sonnenwendfeier auf seinen Hof und viele Rechtsextremisten kommen. Doch es regt sich Widerstand in der Südheide - und zwar immer lauter. Etwa 300 Demonstranten protestierten gegen das Treffen. Aufgerufen hatte ein Bündnis aus Gewerkschaft, Kirchen und demokratischen Netzwerken der Heideregion.

Kirchen vereinen sich gegen Rechts

Der Protest war bunt und friedlich, und mittlerweile wiederholt er sich halbjährlich. Die Eröffnungsrede hielt am Sonnabend Gewerkschaftssekretär Lennard Aldag. Er beklagte, dass bei Treffen wie auf dem Hof des rechten Landwirts nicht nur Volksverhetzung, sondern, wie man jetzt wisse, auch mörderische Taten geplant würden. Damit bezog er sich auf die Mordserie des Neonazi-Trios "Nationalsozialistischer Untergrund".

Am Abend hatten neun evangelische und katholische Kirchengemeinden unmittelbar in der Nähe des Hofes bei gemeinsamen Gottesdiensten protestiert. Der Lüneburger evangelische Regionalbischof Dieter Rathing wies dabei rechtsextremes Gedankengut scharf zurück. "Wir widersprechen jeder Feindlichkeit gegen Menschen fremder Herkunft und Kultur", sagte er. Ein solches Denken beleidigte die Menschen und auch Gott. Christen feierten nicht die Sonne, sondern Jesus. "Dieses Kreuz hat keine Haken", so Rathing.

Eschede kämpft gegen das Vergessen

Das Netzwerk Südheide hat zur Mahnwache aufgerufen. Im Gedenken an Opfer des rechten Terrors seit 1990 ließen Demonstranten 182 Luftballons steigen - für jeden Ermordeten einen.

"Häufig sind Jugendliche und Kinder dabei"

Denn die Zusammenkünfte auf dem Hof sind nach Ansicht der Gegendemonstranten alles andere als harmlos. Neonazis aus ganz Deutschland knüpften hier Kontakte und bewürben anstehende Aktionen. "Für uns ist erschreckend, dass der Hof mehr und mehr genutzt wird, häufig sind Jugendliche und Kinder dabei", sagte eine Sprecherin des Celler Forums gegen Gewalt und Rechtsextremismus am Freitag.

Spontan-Demo gegen NPD-Nachwuchs

Bereits am Sonnabend der vergangenen Woche war es in Eschede zu einer spontanen Demonstration gekommen. Etwa 30 Menschen protestierten gegen ein Landestreffen der Jungen Nationaldemokraten, der Nachwuchsorganisation der NPD, auf dem Hof Nahtz. Schon im Dezember hatten etwa 400 Menschen ihren Unmut über die Rechtsextremen in ihrem Ort geäußert. Der Zulauf der Nazi-Gegner ist noch gestiegen, seit es im benachbarten Unterlüß (ebenfalls Landkreis Celle) vor einigen Monaten zu einem Brandanschlag auf das Haus eines Pastors gekommen war.

NDR Fernsehen - Juni 2012

Text: NDR

Am Sonnabend war Sonnenwende, bald werden die Tage wieder kürzer. Seit 25 Jahren heißt das für Eschede im Landkreis Celle, dass auf dem Hof Nahtz wieder ein Treffen von Neonazis stattfindet. Joachim Nahtz, NPD-Mitglied, lädt zur Sonnenwendfeier auf seinen Hof und viele Rechtsextremisten kommen. Doch es regt sich Widerstand in der Südheide - und zwar immer lauter. Etwa 300 Demonstranten protestierten gegen das Treffen. Aufgerufen hatte ein Bündnis aus Gewerkschaft, Kirchen und demokratischen Netzwerken der Heideregion.

Kirchen vereinen sich gegen Rechts

Der Protest war bunt und friedlich, und mittlerweile wiederholt er sich halbjährlich. Die Eröffnungsrede hielt am Sonnabend Gewerkschaftssekretär Lennard Aldag. Er beklagte, dass bei Treffen wie auf dem Hof des rechten Landwirts nicht nur Volksverhetzung, sondern, wie man jetzt wisse, auch mörderische Taten geplant würden. Damit bezog er sich auf die Mordserie des Neonazi-Trios "Nationalsozialistischer Untergrund".

Am Abend hatten neun evangelische und katholische Kirchengemeinden unmittelbar in der Nähe des Hofes bei gemeinsamen Gottesdiensten protestiert. Der Lüneburger evangelische Regionalbischof Dieter Rathing wies dabei rechtsextremes Gedankengut scharf zurück. "Wir widersprechen jeder Feindlichkeit gegen Menschen fremder Herkunft und Kultur", sagte er. Ein solches Denken beleidigte die Menschen und auch Gott. Christen feierten nicht die Sonne, sondern Jesus. "Dieses Kreuz hat keine Haken", so Rathing.

Eschede kämpft gegen das Vergessen

Das Netzwerk Südheide hat zur Mahnwache aufgerufen. Im Gedenken an Opfer des rechten Terrors seit 1990 ließen Demonstranten 182 Luftballons steigen - für jeden Ermordeten einen.

"Häufig sind Jugendliche und Kinder dabei"

Denn die Zusammenkünfte auf dem Hof sind nach Ansicht der Gegendemonstranten alles andere als harmlos. Neonazis aus ganz Deutschland knüpften hier Kontakte und bewürben anstehende Aktionen. "Für uns ist erschreckend, dass der Hof mehr und mehr genutzt wird, häufig sind Jugendliche und Kinder dabei", sagte eine Sprecherin des Celler Forums gegen Gewalt und Rechtsextremismus am Freitag.

Spontan-Demo gegen NPD-Nachwuchs

Bereits am Sonnabend der vergangenen Woche war es in Eschede zu einer spontanen Demonstration gekommen. Etwa 30 Menschen protestierten gegen ein Landestreffen der Jungen Nationaldemokraten, der Nachwuchsorganisation der NPD, auf dem Hof Nahtz. Schon im Dezember hatten etwa 400 Menschen ihren Unmut über die Rechtsextremen in ihrem Ort geäußert. Der Zulauf der Nazi-Gegner ist noch gestiegen, seit es im benachbarten Unterlüß (ebenfalls Landkreis Celle) vor einigen Monaten zu einem Brandanschlag auf das Haus eines Pastors gekommen war.

 

Demo gegen rechtsextreme Wintersonnwendfeier

NDR Fernsehen - Hallo Niedersachsen - 22. Dezember 2013