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21.04.2015 18:18 Alter: 4 yrs

NSU-Prozess - zwischen Vertuschung und Aufklärung

Viel geredet – wenig getan!? Konsequenzen der NSU Morde. Vortrag und Diskussion mit Yavuz Narin, Rechtsanwalt und Nebenklageanwalt im Münchner NSU-Prozess.


Freitag, 24. April 2015, 19.00 Uhr

NSU-Prozess - zwischen Vertuschung und Aufklärung
Viel geredet – wenig getan!? Konsequenzen der NSU Morde“

Vortrag und Diskussion mit Yavuz Narin, Rechtsanwalt und Nebenklageanwalt im Münchner NSU-Prozess. Veranstalter: Diakonisches Werk, Arbeitskreis Ausländer, Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus. Veranstaltungsort: Kreuzkirchengemeinde, Windmühlenstr. 45, Celle.

Yavuz Narin kommt nach Celle. Er ist Nebenklageanwalt in dem seit Mai 2013 laufenden Verfahren gegen Beate Zschäpe sowie vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer des Naziterror Netzwerks Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Er ist nahezu an jedem Verhandlungstag in München anwesend, daher werden wir durch ihn sicher sonst kaum erfahrbare Eindrücke und Einblicke in den Prozess erhalten.
 
Er wird über den Verlauf des Verfahrens berichten. In einem Interview vom letzten Jahr äußerte er sich zu dem Prozess folgendermaßen: „Manchmal ist man schon ernüchtert und verzweifelt, wenn Zeugen offensichtlich die Unwahrheit sagen, und uns die Mittel fehlen, ihnen beizukommen. Andererseits erleben wir als Vertreter der Nebenklage Erfolge bei der Aufklärung, mit denen wohl niemand gerechnet hätte. So konnten wir etwa recherchieren, dass das hessische Landesamt für Verfassungsschutz wenige Wochen vor den tödlichen Schüssen auf Halit Yozgat in Kassel dienstlich mit der Mordserie an Migranten türkischer und griechischer Herkunft befasst war.“
 
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Prozess ist für Herrn Narin, „....dass man die Arbeit der Sicherheitsbehörden kritisch hinterfragen muss.“
 
Es werden bei dem Vortrag von Herrn Narin neben der Verstrickung der Behörden die Opferperspektiven sowie die rassistische Stigmatisierung der Opfer und deren Angehörigen thematisiert. Bereits kurz nach der Tat wurden seine Mandanten, die Angehörigen des am 15. Juni 2005 in München erschossenen Theodoros Boulgarides  von der Polizei mit kompromittierenden Fragen konfrontiert. Dabei konzentrierten sich die Ermittler besonders auf einen angenommenen kriminellen Hintergrund des Opfers. Die Angehörigen der Opfer seien öffentlich durch den Schmutz gezogen worden, so Herr Narin. Jahrelang standen die Angehörigen der Opfer des NSU selbst in dem Fokus der Ermittlungen. Sein erschütterndes wie eindeutiges Urteil lautet: „Das Bild der Migranten ist von tiefstem Rassismus geprägt. Das gilt ausnahmslos für alle an dem Fall beteiligten Behörden.“