Mittwoch, 16. Januar 2019

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23.12.2016 19:49 Alter: 2 yrs

Völkisches Treiben in der Lüneburger Heide

Auf dem Nahtz-Hof in Eschede zelebrierten Neonazis am Samstag erneut die Wintersonnenwende


Andrea Röpke

Der Escheder Nahtz-Hof hat sich zum zentralen Anlaufpunkt für Neonazis in der Lüneburger Heide etabliert. Zur Wintersonnenwende reisten am vergangenen Samstag rund 50 Personen aus der Region sowie aus Bremen, Hildesheim, Uelzen, Celle, Schaumburg und Ostwestfalen an. Wachen patrouillierten ausgestattet mit Kamera, Ferngläsern und Funkgeräten. Auf dem Gelände war ein weißes Zelt aufgebaut und eine schwarz-weiß-rote Fahne gehisst worden,

In der Vergangenheit fanden auf dem Hof des NPD-Bauern Joachim Nahtz Zeltlager und Brauchtumsveranstaltungen der verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“  (HDJ), der Jungen Nationaldemokraten, der NPD sowie von regionalen Gruppen wie den „Düütschen Deerns“ statt. Immer wieder sind bei den Zusammenkünften Kinder und Jugendliche – auch aus der Umgebung – dabei.

Diverse Neonazi-Gruppen griffen dem finanzschwachen Landwirt in den letzten Jahren unter die Arme. Das Außengelände des Anwesens soll inzwischen der langjährige Vorsitzende des NPD-Unterbezirks Heide-Wendland, Manfred Börm, gepachtet haben. So gilt die Festwiese als gesichert für weitere anstehende Treffen.

Gefährlicher politischer Charakter der Feiern

Das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus, Escheder Nazigegner sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord-Ost- Niedersachsen machen seit Jahren auf den gefährlichen politischen Charakter völkischer Feiern auf dem Nahtz-Hof aufmerksam. Am Wochenende versammelten sich rund 80 Engagierte erneut am Abzweig der Straße, die nach etwa zwei Kilometern zu dem abgelegenen Anwesen am Wald führt, um mit Redebeiträgen, guter Stimmung und bunten Transparenten auf das Problem hinzuweisen.

Für eine komfortable Anreise der Neonazis hatte vor Jahren die örtliche Gemeindeverwaltung gesorgt: Der Kiesschotter zur Instandsetzung des öffentlichen Weges Zum Finkenberg wurde aus Steuergeldern bezahlt. Die Gegendemonstranten aber dürfen diese Straße nicht nutzen, um ihren Protest in Sichtweite des Neonazi-Treibens zu tragen. Ihnen wird seit Jahren der Zugang verweigert. (ar)