Donnerstag, 17. Januar 2019

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29.05.2017 15:36 Alter: 2 yrs

Bündnis gegen Ludendorffer

Erfolgreich widerstanden gegen Verharmlosungen, Beleidigungen und Drohungen.


Für das "Bündnis gegen Ludendorffer" äußern sich hier Egon Hilbich, Andreas Alps und Charly Braun.

In einer gut besuchten Versammlung des „Bündnis gegen Ludendorffer“ diskutierten die Teilnehmenden die aktuelle Situation und planten weitere Vorhaben.

Dass die Proteste gegen die Ostertagung 2017 des rassistischen „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.“ gleich an 3 Tagen stattfanden, hat die Teilnehmendenzahl an den antifaschistischen Protesten in Dorfmark auf über 300 steigen lassen. Zur Karfreitags-Mahnwache empfingen 50 Menschen aus der Umgebung 60 Jugendliche des Internationalen workcamp Bergen-Belsen. Zur Kundgebung am Samstag kamen 110 und an der Demonstration am Ostersonntag nahmen 100 meist Jugendliche teil. Die Folge war, dass die Ludendorffer ihr Tagungslokal „Gasthaus zur Post“ über Ostern kaum verlassen haben. Die jährlichen Proteste, jetzt schon im elften Jahr, nerven die Ludendorffer. Im schönen Dorfmark angenehme Tage im vertrauter völkischer Gemeinschaft mit Vorträgen und Volkstanz zu verbringen, sind vorbei. Das wichtigste Tagungslokal steht ihnen seit 2015 nicht mehr zur Verfügung, im Dorf hängen ein paar Transparente gegen Ludendorffer, JournalistInnen bewegen sich tagelang in ihrer Nähe und Protestrufe dringen bis in die Tagungsräume. Die Folge ist, immer weniger Ludendorffer kommen nach Dorfmark.

Dass weniger kommen, ist allerdings kein Zeichen dafür, dass bei den Ludendorffern die „biologische Uhr“ tickt, wie manche Wegsehenden behaupten. Unter den 50 bis 60 Ludendorffern zu Ostern 2017, waren etwa 15 Jugendliche. Die antisemitische Weltanschauung wird in den rechten Familienverbänden erfolgreich an die nachfolgenden Generationen weiter gegeben. Sie haben weitere regelmäßige Tagungen und eigene Einrichtungen in Deutschland und treffen sich mit anderen rechtsradikalen Organisationen.

Dass Ludendorffer nett und freundlich und auf keinen Fall Nazi-Schläger seien, ist schlicht falsch. In den letzten Jahren wurden mehrmals Journalisten geschlagen, die bekannte Nazi-Größen, die die Dorfmark-Tagung besuchten, fotografieren wollten. Die Ludendorffer-Bundesvorsitzende Gudrun Klink und ihre Tochter Sonnhild Sawallisch organisieren gemeinsam mit anderen Rechten Aufmärsche nach Pegida-Art und rufen zu Bürgerwehren gegen Geflüchtete auf. Die Nazi-Ikone und mehrfach vorbestrafte Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel war mehrmals Gast der Ludendorffer.

Die Vernetzung der Ludendorffer mit allen möglichen Nazi-Organisationen hat zur Folge, dass die Herrenrassenideologie der Ludendorffer sich verbreitet. Nach der „Licht- und Schachtrassen“-Ideologie sind die nordischen Germanen edel und heldenmütig, Juden und viele andere Menschen hingegen voller schlechter Eigenschaften und zum Dienen geboren. Deutsche Kinder würden durch eine "verjudete christliche Erziehung" geschädigt. Diese menschenfeindliche Theorie von Mathilde Ludendorff und ihrem Mann Erich Ludendorff (General und Hitler-Putschgefährte von 1923) ist bis heute die Grundlage äußerlich oft harmlos erscheinender Ludendorffer. Diese Ideologie ist verantwortlich für die noch immer zunehmenden Anschläge gegen Geflüchtete und ihre Unterstützenden. Rassismus ist geistige Brandstiftung. Ludendorffer bereiten den Boden für Angriffe und Anschläge vor.

Wer hier wegguckt oder gar verharmlost, fördert Rassismus. Deshalb erhalten wir von PolitikerInnen, HistorikerInnen, Kirchenvertretern u.a. regelmäßig aufmunternde Grußbotschaften. Bei unserer Kundgebung 2017 wandte sich Bergens katholischer Pfarrer Günther Birken persönlich vor Ort an die Zimmervermietenden mit der Frage: „Schämt ihr euch nicht?“

Wer Osterruhe und Dorfmark und Bad Fallingbostel einen guten Ruf erhalten will, folgt der Stadtrats-Resolution von 2008, in der es heißt: „Stellen Sie extremistischen oder rassistischen Gruppierungen keine Tagungsräume und Unterkünfte zur Verfügung.“

Jede Beteiligung an unseren Protesten und Veranstaltungen trägt dazu bei, die Ausbreitung von Rassismus und Antisemitismus zu behindern. Das Problem ist mehr als ein lokales. Deshalb nehmen an unseren Aktionen neben einigen Dorfmarkern auch sog. „Angereiste“ vor allem aus der nahen Umgebung, wie Bad Fallingbostel, Walsrode, Soltau, Visselhövede und einige auch aus Celle, Faßberg, Stade und Hannover teil. Für die Jugendlichen des Internationalen workcamp Bergen-Belsen ist ihre Teilnahme ein Erfahren der gesellschaftlichen Realität, der sie mit gut begründetem Protest begegnen.

Auch die Teilnehmenden der antifaschistischen Demonstration am Ostersonntag kamen fast alle aus Dorfmark und der nahen Umgebung. Zwar mag die Art des Auftritts für viele Zuschauende ungewöhnlich sein, aber von der Demo ging keinerlei Gewalt aus. Und das obwohl zwei Nazi-Presseleute ständig versuchten Gesichter aus der Demo zu fotografieren. Die Aufklärung über Nazis, die von Soltau nach Dorfmark umgezogen sind, ist ein besonderer Verdienst dieser Demonstration. Die NeubürgerInnen hatten sich seit 2015 in der Soltauer flüchtlingsfeindlichen Gruppe „Aktion Grablicht“ (dann umbenannt in „Heidekreis gemeinsam sind wir stark“) engagiert. Jetzt hatten sie Osterbesuch von einer der gefährlichsten und kriminellsten Nazi-Gruppen, dem „Freundeskreis Thüringen-Niedersachsen“. Laute Nazi-Musik, 3 Nazi-Transparente am Haus, fast 20 meist total Vermummte, einige mit Pyrotechnik auf dem Garagendach hantierend, namentliche „Begrüßung“ einiger Journalisten, während die neue Dorfmarker Nazi-Frau Journalisten in ganz körperlicher Nähe bedrohte und schubste. Diese Szenerie war gefährlich, die Polizei ließ sie gewähren. Bei diesem sog. „Freundeskreis“ wurden vor einigen Monaten bei Hausdurchsuchungen zahlreiche Waffen gefunden und sie sind der „Bildung bewaffneter Gruppen“ angeklagt. Damit dieses Dorfmarker Nazi-Wohnhaus nicht zum Nazi-Treffpunkt wird, sind alle gesellschaftlichen Gruppen gefordert.

Den dreitägigen Protesten folgten auf Facebook zahlreiche Beleidigungen, Verunglimpfungen und Bedrohungen von Nazis gegen Organisierende der Proteste und gegen JournalistInnen. Auch in Leserbriefen in Lokalzeitungen verharmlosten bekannte Rechtsradikale u.a. die Ludendorffer und beschimpften die antifaschistischen Proteste. Mit der Zuspitzung auf Charly Braun, lenken Sie von den brandgefährlichen RassistInnen ab. Dass so viele DemokratInnen alledem in Leserbriefen widersprochen haben, zeigt, dass Courage gegen Rechts gelebt wird. Das macht uns Hoffnung, dass auch Dorfmark sich von Ludendorffern und Nazis befreit.

Das „Bündnis gegen Ludendorffer“ zieht aus alledem den Schluss, das Engagement zu verstärken. Dazu gehört auch die Vorbereitung von verschiedenen Veranstaltungen. Proteste sind auch für Ostern 2018 geplant.

Für das Bündnis gegen Ludendorffer

Egon Hilbich    Andreas Alps    Charly Braun