Mittwoch, 18. Juli 2018

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15.06.2018 12:45 Alter: 33 days

Über Sprachlosigkeiten, falsche Zuordnungen und andere Ungereimtheiten

Anmerkungen zur Bürgerversammlung am 8.6. im Faßberger Soldatenheim.


Am 20.2.18 beschloss der Kirchenvorstand der St. Laurentius Kirchengemeinde Faßberg die Kirchenglocke mit dem Hakenkreuz gegen eine von der Landeskirche finanzierte neue Glocke auszutauschen.

Als Hauptgrund  wird die angebliche undifferenzierte Berichterstattung in der europa- und bundesweiten Presse über  „Naziglocken“ angeführt.

Mit dem Austausch soll diesem Bild entgegengewirkt werden und mit der Aufarbeitung der speziellen Faßberger Geschichte ein Zeichen des konstruktiven   „Miteinander“ gesetzt werden.

Davon war auf der als Info- und Bürgerversammlung angekündigten Veranstaltung wenig zu spüren.

Anstatt sich mit dem Kirchenvorstand und seiner Entscheidung auseinander zu setzen, geriet mit der ersten Wortmeldung die 10er Gruppe ins Visier, zugespitzt auf zwei ihrer Vertreter, deren Biographien ein „Draufschlagen“ einfacher aussehen ließ:

Als einer dieser Vertreter wollte  ich meinen Beitrag mit den Worten ankündigen. 

„Der Kirchenvorstand hat Verantwortung übernommen; einige Bemerkungen über Verantwortlichkeiten.“

 Ich hätte über die Fragwürdigkeit der Unterschriftenliste gesprochen, über „Deutungshoheiten“ und als Kernpunkt über die Bedeutsamkeit der Opfer unter dem Hakenkreuz und die Empathielosigkeit in der Diskussion mit den Glockenbefürwortern.

Dazu hatte ich aber kaum Gelegenheit – im Gegenteil: im lautstarken Getöse einer konzentrierten Männerrunde konnte ich mich kaum verständlich machen, niedergebrüllt spielte es auch keine Rolle mehr, was ich sagte und sollte auch für den weiteren Verlauf keine Rolle spielen. (das galt auch für die weiteren Beiträge meiner Mitstreiterinnen) und – was letztlich diesen Ausbruch an Aggression zu einem Desaster werden ließ:

Niemand hat diesem „Mob“ Einhalt geboten. 

Kein Moderator, kein Bürgermeister, kein Pastor oder KV, kein Podiumsteilnehmer, keiner der Anwesenden mit Ausnahme meiner Partnerin – niemand!  Auch die Presse – um angebliche Ausgewogenheit bemüht – fand keinen Begriff, für das Szenario und so wird sich ein Bild in der Öffentlichkeit festsetzen, dass zwei Kontrahenten in ihrer Emotionalität zeigt, die sich gegenseitig mit ihren Aktionen ins Gehege kamen. 

Ursache und Wirkung, kein Thema!  

Diskussionsverhinderung, kein Thema! 

Das Durchsetzen von „Deutungshoheit“, kein Thema!

Das sich hier ein Verhalten herauskristallisiert, was auch auf unzähligen Pegida- und ähnlichen Veranstaltungen zum Erfolg führt:  Pauschalieren, Draufschlagen, Falschmeldungen verbreiten.- und das im Namen eines imaginären Volkes  - für die anwesenden Medien - kein Thema!

Eine „böse“ Vorstellung bei zukünftigen Auseinandersetzungen der gesellschaftlichen Art.

Nochmal:

Die 10er Gruppe ist nicht verantwortlich für den KV-Beschluss.

Wir sind auch nicht die Illuminaten, die im Hintergrund die Fäden in der Hand hielten um diesen Beschluss zu ermöglichen.

Wer glaubt irgendeiner aus unserer Gruppe könnte Pastor Blümcke die hannoversche Landeskirche oder sonst einen Entscheidungsträger in seiner Meinung beeinflusst haben, ist nicht von dieser Welt.

Unsere „Einflussnahme“ bestand darin, KV und politischen Rat um Stellungnahme und Gespräch zu bitten. Eindeutig positioniert als Glockengegner haben sich das Netzwerk Südheide mit einer (demokratisch) abgestimmten Erklärung, ebenso die kirchliche Arbeitsgruppe gegen Rechtsextremismus und die von uns informierte Dietrich-Bonhoeffer Stiftung. – Alle Schritte waren öffentlich und für jeden Interessierten nachvollziehbar. 

Für die mediale Aufbereitung des Themas können wir nicht verantwortlich gemacht werden  - CZ und Spiegel-Online berichteten zudem in aller „Ausgewogenheit“  Befürworter und Gegner erhielten ausreichend Gelegenheit, ihre unterschiedlichen Standpunkte darzustellen.

Eine Darstellung unserer Standpunkte wäre Bestandteil eines Dialogs gewesen, das war vielen der Anwesenden zu beschwerlich und schließlich brachte es ja auch ein Ratsherr süffisant auf den Punkt: „ Was sind schon 10 Leute gegen 1600 Unterschriften. Gerade einmal 0,3 %. 

Noch Fragen?

Klaus Jordan